Die 69. Museumsbahnertagung des VDMT fand vom 13. bis 15. November 2015 in Nürnberg im Zeichen des 10-jährigen Bestehens der Stiftung Deutsche Eisenbahn (SDE) statt, deren Kooperationspartner der VDMT ist.

Aus diesem Anlass begann das gut besuchte Treffen in den Konferenzräumen des DB Museums nach einer kurzen Präsentation der Dachstiftung einiger deutscher Eisenbahnmuseen und verwandter Einrichtungen mit einer Preisverleihung: Den zum Jubiläum erstmals ausgelobten Förderpreis der SDE empfing der langjährige Vereinsvorsitzende Klaus Schulte für den Hessencourrier in Kassel aus den Händen des SDE-Vorsitzenden Rainer Balzer. Den Dieter-Junker-Preis nahm anschließend Sven Lieberenz für den „Pollo“ in Brandenburg entgegen.

Der Förderpreis der SDE ist insbesondere für wegweisende, abgeschlossene In­frastrukturprojekte gedacht, so wie die heutige Betriebsanlage des Hessencourriers in Kassel-Wilhelmshöhe. 2004 hatte die Hessische Landesbahn nach dem Gewinn einer Ausschreibung Eigenbedarf an dem damaligen Gelände des Vereins angemeldet, so dass die Museumsbahn weichen musste. Damit war für sie eine ungeahnte Herausforderung entstanden, die die Museumseisenbahner mit großem Engagement, erheblicher Eigenleistung und Kreditaufnahme meisterten. Sie kauften als Ersatz ein unmittelbar benachbartes ehemaliges Panzerverladungsgelände, errichteten dort neue Gebäude und verfügen jetzt über eine offene Halle für ihre Fahrzeuge mit Werkstatt. Integriert wurde ferner ein ebenfalls neu errichtetes Sozialgebäude – eine respektable Leistung, wie der stellvertretende SDE-Vorsitzende Heimo Echensperger in seiner Laudatio herausstellte. Sie wurde mit einem Preisgeld in Höhe von 4500 Euro belohnt.

Mit 3500 Euro bedacht wurde das Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V. („Pollo“). Besonders aufgefallen war der Jury die vorbildliche Rekonstruktion der bahnüblichen Ausstattung der Kleinbahn mit einer funktionierenden Telegrafenleitung, die als I-Tüpfelchen der Authentizität installiert worden ist. Die Strecke ist ein neun Kilometer langes, zwischen 2002 und 2007 wiedererrichtetes Teilstück der ehemaligen Prignitzer Kleinbahn, auf der 1969 die letzten Züge gefahren waren. SDE-Botschafter Wolfgang Löckel überreichte dem Vorsitzenden Sven Lieberenz den Dieter-Junker-Preis, mit dem der Mut gewürdigt wurde, eine Eisenbahn der 60er Jahre aus dem Nichts wieder aufzubauen. Der junge Museumseisenbahner blickt mit Stolz auf die Leistung der Mitarbeiter seines Vereins, deren Altersdurchschnitt erst bei Mitte 30 liegt.

Eingangs hatte Heimo Echensperger von den Anfängen der Stiftung Deutsche Eisenbahn berichtet, deren Ursprung bereits in das Jahr 1999 zurückreicht. Erst sechs Jahre später – nach einigen Veränderungen im Stiftungsrecht sowie steuerlichen Modifikationen - konnte die Idee, eine Stiftung zum Erhalt der Eisenbahn zu gründen, im Anschluss an eine Museumsbahnertagung des VDMT mit 43 Stiftern und einem Kapital von 53.000 Euro in die Tat umgesetzt werden. Heute liegt die Summe bei 78.000 Euro und es sind 55 Stifter. Aus Anlass des Jubiläums soll die Aktion „SDE 100.000“, die zu Zustiftungen einlädt, das Stiftungskapital weiter erhöhen.

Gespannt wurde dem Hauptreferat des Samstagnachmittages über die 27 Jahre dauernde Aufarbeitung und den Betrieb der Zahnradlok 97 501 entgegengesehen. Michael Staiger von den Freunden der Zahnradbahn Honau – Lichtenstein e.V. (ZHL) gab der Faszination Dampflokomotive in seiner Präsentation über die Lok, die zuvor als Denkmal in Obernzell bei Passau gestanden hatte, breiten Raum und versetzte die Anwesenden immer wieder in Erstaunen, mit welchen Mitteln und Improvisationstalent die württembergische Zahnradlok der Baureihe 97.5 wieder zum Leben erweckt worden ist. „Bauen wir selber was“ hieß oftmals das Credo. Es wurden 90 Prozent Eigenleistung erbracht. Das Erstaunlichste aber dürfte sein, dass die Motivation zur Aufarbeitung der Lok über fast drei Jahrzehnte anhielt. 1985 hatte sich der Verein ZHL gegründet mit dem Ziel, die 97 501 in Betrieb zu nehmen und die einstige Zahnradstrecke von Honau nach Lichtenstein als Museumbahn wieder aufzubauen. Nach unendlichem Durchhaltevermögen konnte sich schließlich im Oktober 2012 die Zahnradlok erstmals wieder aus eigener Kraft über die Gleise bewegen. *1)

Bevor diese beeindruckenden Bilder und Worte die Museumseisenbahner fesselte, hatte Markus Brunner, Technischer Projektleiter bei Siemens, an Hand von Beispielen über die Möglichkeiten gesprochen, die sich durch das neue 3D-Druck-Verfahren in der Fertigung von Werkstücken ergeben. Das „additive Fertigung“ genannte Verfahren kann für verschiedene Werkstoffe angewandt werden, wobei für Schienenfahrzeuge vermutlich ein Äquivalent von Gussteilen am ehesten von Interesse wäre. Die Vorteile des 3D-Drucks liegen nach Aussage von Brunner u. a. in einem stabilen Preis, unabhängig von der Stückzahl und dem Fortfall von Mindestmengen. *2)

Stefan Materna von Metallbau Metzger ließ die Entwicklung der Firma aus Bruchsal Revue passieren, die er vor zwei Jahren auf einer Museumsbahnertagung des VDMT erstmals vorgestellt hatte. So wurden die Zuhörer jetzt über diverse Stahlbauprojekte, Kesselbauarbeiten – unter anderem an der 01 519, der 41 052 sowie der 52 8195 –, über die Instandhaltung von Wagen wie auch Brückenbau im Museumsbahnbereich unterrichtet. Seine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Museumseisenbahnen hat deutlich gemacht, dass hier u. a. eine umfassende Information über die Vorgeschichte des Objektes, eine Dokumentation der eigenen Arbeiten und selbstredend ein kompetenter Ansprechpartner unerlässlich sind. *3)

Eine Reihe weiterer brisanter Themen wurde am Sonntagmorgen angesprochen, darunter die Problematik des Sandens, das in Folge neuer Vorschriften der DB zu Schwierigkeiten im Dampflokbetrieb führen könnte. Außerdem die Wahl der Kohle, deren Emissionen die Akzeptanz des Dampflokbetriebes in Zukunft bestimmen wird. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung und der – vermeintlichen – Umweltverschmutzung durch Dampflokomotiven kündigte der VDMT eine Fragebogen-Aktion an. Vorsitzender Günther Steinhauer appellierte an die Mitgliedsvereine, sich in Zukunft reger an Umfragen zu beteiligen. Der bisherige Rücklauf bei Mitgliedsbefragungen sei überaus enttäuschend gewesen. *4)

hist tram klNeben den zahlreichen Informationen aus den Referaten und dem Bericht aus der Verbandsarbeit konnten die Tagungsteilnehmer Eindrücke aus dem Besuch des Verkehrsmuseums der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH an der Lessingstraße, von einer Rundfahrt mit der historischen Straßenbahn Nürnberg und dem Besuch des Straßenbahndepots St. Peter mit nach Hause nehmen. *5) Die nächste Tagung wird vom 11. bis 13. März 2016 in Bruchhhausen-Vilsen stattfinden.

 

*1) Wer den Beitrag von Michael Staiger verpasst hat, kann hier eine Auswahl der gezeigten Bilder bewundern. Aber die mitreissende Atmosphäre beim Vortrag konnte leider nicht konserviert werden.
http://www.zhl.de/show.php?page=97501a&ret=Fahrzeug

*2) *3) Die Folien der Vorträge gibt es nur im internen Bereich.

*4) Weitergehende Informationen sind in Arbeit.

*5) Was wir im Strassenbahnmuseum St. Peter bewundern konnten, ist hier
http://www.sfnbg.de/index.php/de/component/banners/click/24
nachzuschauen.