Die Emissionen von Dampflokomotiven rücken in letzter Zeit immer stärker in den Focus von Anliegern unserer Museumseisenbahnen. Massive schwarze Qualmwolken

aus dem Schornstein, wie sie zusammen mit mächtigem weißen Wasserdampfbei bei so manchem Fotografen an der Strecke äußerst beliebt – und unbestritten sehr fotogen – sind, rufen heutzutage schnell Kritiker des Dampfbetriebes auf den Plan. Mit steigendem Umweltbewusstsein und gleichzeitig insgesamt zunehmender „Eisenbahnferne“ der Bevölkerung bedarf es deshalb eines umsichtigen Vorgehens, um die Akzeptanz für Dampfzüge dauerhaft zu erhalten.

Auf der letzten Museumsbahnertagung des VDMT in Nürnberg berichtete die Brohltalbahn über ihre diversen Erfahrungen, die der Verein mit dem Einsatz unterschiedlicher Kohlenimporte gemacht hat. Anlass für den Versuch mit verschiedener Importware war die Inbetriebnahme der Dampflokomotive 11sm im Frühjahr 2015. Für die ersten Inbetriebsetzungsfahrten wie auch für die Einweisung des Personals wurden zunächst Restbestände verfeuert. Sie waren noch aus dem Einsatz von Gastlokomotiven in den letzten Jahren vorhanden und lagerten in Brohl auf dem Betriebshof. Mit diesen Altbeständen konnte nun zwar gefahren werden, die Museumsbahner hatten aber mit massiver Schlackebildung und Dampfmangel zu kämpfen.

Zur offiziellen Inbetriebnahme und für die darauffolgenden planmäßigen Fahrten wurde dann bei der Firma Attenberger, einem bekannten Lieferanten für Dampflokkohle, dessen Standardprodukt bestellt. Dabei handelt es sich nach eigener Aussage um schlesische Steinkohle. Sie wird von der Firma in unterschiedlichen Körnungen an verschiedene Dampflokomotivbetreiber verkauft. Genauere Angaben waren nicht zu erhalten.

Mit diesen Kohlen ergaben sich dann für die Brohltaler erhebliche Probleme mit den Anwohnern wegen Qualm- und Geruchsbelästigungen. Trotz sehr aufmerksamer Feuerführung war eine Qualmentwicklung nicht zu vermeiden. Bereits nach dem Aufwerfen geringer Kohlemengen – im Fall der 11sm nur zwei normal gefüllte Schaufeln – setzte sofort die Qualmentwicklung ein, so dass Anwohnerbeschwerden nicht zu vermeiden waren. Diese fanden den Weg bis zur Landeseisenbahnaufsicht, die dann auch umgehend von der Brohltalbahn eine Erklärung erwartete.

Infolgedessen ging man hier auf die Suche nach Alternativen und testete Kohle aus Russland und Wales. Diese sind unter Ansatz des Preises pro Tonne zwar wesentlich teurer im Einkauf, allerdings konnten die Museumsbahner die Erfahrung machen, dass das Qualmen bei Verwendung der russischen Kohle sehr stark zurückging und bei der walisischen Kohle praktisch nicht mehr vorhanden war. Zusätzlich bildete sich bei Verwendung der walisischen Kohle keine Schlacke, so dass die Brohltalbahn sich entschlossen hat, nur noch diese zu verwenden.  

Gleichzeitig mit der Suche nach emissionsarmer Ware wurden die Kohlenverbräuche verglichen, und ohne Berücksichtigung des Anheizens und ohne grammgenaue Verwiegung ist folgende Rechnung aufgestellt worden: Kohle aus Polen: Preis 235 €/t, etwa 18000 kg für 29 Fahrten der Relation Brohl – Oberzissen und zurück verfeuert, entspricht etwa 620 kg bzw. 145 € pro Umlauf. Kohle aus Russland: Preis 335 €/t, etwa 3000 kg für sieben Fahrten derselben, entspricht etwa 428 kg bzw. 145 € pro Umlauf. Kohle aus Wales: Preis 350 €/t, etwa 3200 kg für acht Fahrten, entspricht etwa 400 kg bzw. 145 € pro Umlauf. Fazit der Brohltalbahn: Am Ende ergibt sich ein praktisch identischer Preis pro Umlauf, allerdings nur rund 2/3 Verbrauch bei Kohle aus Russland bzw. Wales gegenüber der schlesischen Kohle.

Angeboten wird die walisische Kohle von der Ffos-y-Fran Colliery in South Wales unter dem Markennamen „Gloda“. Weitere Informationen auch unter: http://www.coalmerchantsfederation.co.uk/products/welsh-dry-steam . Diese Kohle ist in Deutschland auch über die Firma Attenberger zu beziehen.