In den letzten Jahren gab es einige (wenige) Unfälle und Beinahe-Unfälle auf dem Netz der Deutschen Bahn, deren Ursache eine unzureichende Kontaktgabe zwischen Rädern und Schienen bei Gleisstromkreisen waren. Durch eine Sandschicht zwischen Rädern und Schienen floß kein Prüfstrom mehr, und die entsprechenden Fahrzeuge hatten sich für das Stellwerk sozusagen "weggesandet", wodurch das Fahrzeug in dem besetzten Gleisabschnitt zwar körperlich vorhanden, für den Fahrdienstleiter aber nicht mehr erkennbar war und er eine Zugfahrt in das besetzte Gleis zuließ. Diese Vorfälle waren reproduzierbar und die Zusammenhänge eindeutig.

Es hätte nun nahegelegen, die Infrastrukturausrüstung als unzureichend sicher zu identifizieren und der DB Netz durch das EBA oder in der EBO aufzugeben, die augenscheinlich nicht sicher funktionierenden Gleisstromkreise durch andere Techniken zu ersetzen, die bereits seit Jahrzehnten verfügbar und ausgereift sind. Stattdessen werden die EVUs und Fahrzeughalter in die Pflicht genommen (na ja, der Infrastrukturbetreiber muss ja auch etwas machen), indem für mit Sandstreuanlagen ausgerüstete Fahrzeuge neue Bedingungen definiert werden, wie die Sandausbringung künftig technisch und betrieblich zu organisieren ist.

Während dies für neuere oder gar neu zu bauende Fahrzeuge mit indirekter, elektrischer Ansteuerung der Sandausbringung mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu realisieren und zu überwachen ist, sieht dies bei Bestandsfahrzeugen mit Sandtreppen klassischer Bauart und direkter Drucklufteinblasung über die bekannten, direkt vom Lokführer bedienten und direkt an den Hauptluftbehälter angeschlossenen Drucklufthähnen anders aus. Hier kann es erforderlich sein, einzelne Sandfallrohre blind zu flanschen, den Einblasdruck der Druckluft zu reduzieren oder andere Maßnahmen zu ergreifen, um die geforderte Begrenzung der Sandausbringung zu erreichen.

Die neuen Regelungen, die künftig zu den SNB insbesondere der DB (aber auch von anderen Infrastrukturbetreibern, welche Gleisstromkreise in ihrem Netz verbaut haben) gehören werden, wurden in mehreren Sitzungen des "Lenkungskreises Fahrzeuge" erarbeitet, dem der VDMT nicht angehört. Denoch konnte indirekt erreicht weden, daß die Belange der Betreiber älterer Triebfahrzeuge gehört und in vertretbarem Maße berücksichtigt wurden. Näheres zum Rechtscharakter der neuen "Ergänzungsregelung Nr. B 011 zum 'Sanden'" hat der VDV in einem Anschreiben hierzu erläutert.

Die Ergänzungsregelung beschreibt einen umfangreichen Maßnahmenkanon, dessen Umsetzung im Einzelfall für ältere Fahrzeuge nicht trivial ist. Der Verband wird bemüht sein, die insbesondere in der Anlage 4 genannten Maßnahmen mit dem Bewertungssystem zu erläutern und diese Erläuterung seinen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.