Die 70. Museumsbahnertagung des VDMT vom 11. bis 13. März 2016 in Bruchhausen-Vilsen brachte neben dem traditionellen Ablauf und der Mitgliederversammlung zwei neue Programmpunkte: Zum einen stellten sich am sonst mehr oder weniger frei gestalteten Samstagvormittag dieses Mal Mitgliedsbahnen mit besonderen Projekten vor, was von nun an auf den Frühjahrs- und Herbsttagungen zur Regel werden soll. Zum anderen gab es einen so genannten „Runden Tisch“, an dem acht namhafte Experten aus dem Eisenbahnwesen unter Einbeziehung des Publikums über die Zukunft der Museumsbahnen in Deutschland diskutierten.

Gastgeber der Tagung war der Deutsche Eisenbahnverein (DEV), die Erste Museumseisenbahn Deutschlands, die vor 50 Jahren ihren Betrieb aufnahm. Aus diesem Anlass hatte der Verein in seine geräumige Fahrzeughalle eingeladen. Gut 120 Teilnehmer fanden sich größtenteils bereits am Freitagabend ein und wurden am Samstag von Bürgermeister Peter Schmitz willkommen geheißen. Er wies insbesondere auf die unverzichtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit von Bahn, Tourismus und der Samtgemeinde hin, die als Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen fungiert. Darüber hinaus hob er die tragende Rolle von Harald O. Kindermann bei der Museumsbahn und im Ort hervor.

Dessen Verdienste um die Museumsbahnszene in Deutschland, die er vor mehr als 50 Jahren mit dem Deutschen Kleinbahnverein – später Deutscher Eisenbahn-Verein – ins Leben rief und deren Anfänge er in einer launigen Rede dokumentierte, würdigte der VDMT, indem ihm die Ehrenmitgliedschaft in dem Verband verliehen wurde. Eigentlich hatte Kindermann als junger Mann niemals einen Verein gründen wollen. Ihm blieb aber nichts anderes übrig, wollte er einen historischen Eisenbahnbetrieb auf die Beine stellen.

Hans-Peter Kempff setzte den Bericht über die Entwicklung des DEV unter dem Titel „Von der Non-Profit-Organisation zum Wirtschaftsfaktor“ fort, nicht ohne abschließend in die Zukunft zu blicken: Für den Erhalt der Museumseisenbahn müsse heute der Zusammenarbeit von Jung und Alt ein höherer Stellenwert beigemessen werden als den Fahrzeugen und der Strecke.

Günther Steinhauer leitete für die Selfkantbahn am Samstagvormittag die Vorstellung bedeutungsvoller Museumsbahnprojekte ein, und derer gab es dort gleich mehrere: die Aufarbeitung des Borgward  L.T. 4. der Sylter Inselbahn, die spektakuläre Streckenerneuerung mit einer temporären Brücke, den Neubau des Bahnhofes Gillrath nach dem Vorbild des ehemaligen Bahnhofsgebäudes der Mindener Kreisbahnen in der Samtgemeinde Uchte (Niedersachsen) und der Neubau eines Güterschuppens in Birgden durch eine engagierte Dorfgemeinschaft.

Dr.-Ing. Harald Elser stellte als Infrastrukturprojekt die Errichtung eines großen Daches im Eisenbahnmuseum Lokschuppen Aumühle des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. (VVM) vor – ein Vorhaben, das sich über vier Jahre erstreckte. Der Verein hatte das Gelände im Großraum Hamburg 1971 bezogen und im Laufe der Zeit zwei kleinere Dachunterstände errichtet. 2010 wurde das Projekt eines weiteren, diesmal großen Daches über Fahrzeug-Ausstellungsgleisen in Angriff genommen, unter dem witterungsgeschützt auch an Fahrzeugen gearbeitet werden kann. Der VVM-Vorsitzende informierte über den Planungsprozess, die Ausführung und Finanzierung, zu der die Europäische Union und das Land Schleswig-Holstein einen Baukostenzuschuss leisteten – Fördermittel, die heute so nicht mehr zur Verfügung stehen.

Norbert Huppert vom Freundeskreis Eisenbahn Köln (FEK) berichtete über die Aufarbeitung des einzigen erhaltenen „Buckelspeisewagens“ WR4 üm-62, Baujahr 1963. Mit einiger Skepsis hatte er den Spendenaufruf für die Restaurierung dieses Einzelstückes deutscher Eisenbahngeschichte begleitet und war umso positiver von den rd. 100 000 Euro überrascht, mit denen die Arbeiten 2011 beginnen konnten. 2012 lief der Wagen bereits nach der äußerlichen Aufarbeitung bei der Jubiläumsfahrt „50 Jahre Rheingold“ im Sonderzug von Köln nach Basel, seit April 2015 nach weitgehendem Abschluss der Arbeiten im Innenraum ist der Speisewagen mit seinen 48 Plätzen zurück im Rheingold-Zugverband.

Nachdem bereits auf der Herbsttagung der Museumsbahner das Thema Kohle gestreift worden war, vertiefte es jetzt Dr. rer. nat. Reinhard W. Serchinger, München, und stellte seine jüngste Umweltkonzeptstudie Achenseebahn vor. Die darin enthaltenen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen ließen die Zuhörer immer wieder aufhorchen, seien es u. a. die Spezifikationen für umweltfreundliche Dampflokomotiv-Kohle, die derzeit lieferbare Lokkohle im Vergleich oder Angaben zur polnischen Spezialkohle und deren Durchschnittsemissionen. Serchinger betonte, dass kein gesundheitsgefährdender Feinstaub in der Emission von Dampflokomotiven vorhanden sei. Bereits 1995 hatte er in einem VDMT-Projekt Spezifikationen für umweltfreundliche Kohle erarbeitet. Der Referent, Gründungsmitglied der europäischen FEDECRAIL-Umweltarbeitsgruppe, erklärte sich bereit, auch für eine entsprechenden VDMT-Arbeitsgruppe zur Verfügung zu stehen sowie auf Wunsch Auskünfte in Umweltfragen zu erteilen.

Dipl.-Ing. Roger Waller, DLM Winterthur, sprach über die Aufarbeitung der Dampflok G3/4 Nr. 11 ‚Heidi‘ der Rhätischen Bahn (RhB) und deren Wiederinbetriebnahme unter Anwendung heutig er Erkenntnisse zur Kessel- und Triebwerksgestaltung. Die 1’Cn2 wurde 1902 gebaut, war bis 1977 bei der RhB im Einsatz, ging zur BOB und wurde 2000 zurückgekauft. Ihre Revision sollte zugleich eine Modernisierung werden u.a. mit einem neuen geschweißten Kessel mit einem neuen Überhitzer, einem elektrischen Vorheizgerät, neuer Lempor-Blasrohranlage, neuem Flachschieber und Umbau auf Leichtölfeuerung. – Zuvor hatte sich den Tagungsteilnehmern die Kesselschmiede Lonkwitz aus Wetzlar vorgestellt, die den Kessel der DEV-Lok „Hermann“ neu gebaut hat.

FEDECRAIL-Vizepräsident Heimo Echensperger unterrichtete die Versammlung über den „Train de la Paix“, ein Projekt, das die Rolle und Bedeutung der Eisenbahn im 1. Weltkrieg dokumentieren soll. UNECTO, der französische Dachverband der Museums- und Touristikbahnen, versucht zurzeit, entsprechende öffentliche Mittel zu generieren. Die Museumsbahnen wurden aufgerufen, sich mit entsprechendem Fahrzeugmaterial zu beteiligen.

Auf der Mitgliederversammlung des VDMT stand neben den Regularien eine turnusmäßige Wahl an. Pressesprecherin Ingrid Schütte wurde wiedergewählt. – Die 71. Museumsbahnertagung des VDMT findet vom 28. bis 30. Oktober bei der Museum Buurtspoorweg (MBS) in Bad Boekelo in den Niederlanden statt.

Die Präsentationen der zuvor genannten Beiträge gibt es nur im internen Teil