In den 70er und Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es geradezu einen Boom an Gründungen von Museumseisenbahnen in Westdeutschland. Immer mehr Eisenbahnbegeisterte

schlossen sich in dieser Zeit zusammen, um gemeinsam das zu erhalten, was auf der damaligen Bundesbahn gerade abhandengekommen war: Dampflokomotiven im Betrieb. Museumsbahnen wurden aus der Taufe gehoben. Die Ehrenamtlichen aus allen Berufs- und Altersgruppen sammelten historisches Fahrzeugmaterial meist noch ohne Konzept, nur mit dem Ziel, auf (teils stillgelegten) Privat- und Kleinbahnen fahren zu können. Im Laufe der Jahre kristallisierte sich dann überwiegend eine grobe Richtung heraus, die heute das Motto der Bahn ergibt. Eine dieser relativ frühen Museumsbahnen sind die Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahnfreunde e.V.

 1912 wurde die normalspurige Kleinbahn Delmenhorst – Harpstedt eröffnet. Neben dem Transport landwirtschaftlicher Güter ist sie von Beginn an auch von Ausflüglern aus Bremen genutzt worden, die am Sonntag „ins Grüne“ fahren wollten. Schon früh erhielt die Bahn bei der Bevölkerung den heute noch gültigen Namen „Jan Harpstedt“. 1967 wurde der Personenverkehr auf der Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahn (DHE) eingestellt, jedoch behielt die DHE ihren Schlepptriebwagen 121 (WUMAG 1940) als Reservefahrzeug für den Güterverkehr und für Sonderfahrten. 1976 fanden sich engagierte Eisenbahnfreunde zusammen und gründeten den Verein „Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahnfreunde e.V.“ (DHEF), u.a. um mit dem Triebwagen Sonderfahrten durchzuführen. Der Zuspruch war gut, so dass ab 1979 nach einem festen Fahrplan gefahren wurde.

Erstes eigenes Fahrzeug war eine zuvor bei der Wollkämmerei in Delmenhorst eingesetzte Dampfspeicherlokomotive, die als Ausstellungsstück hergerichtet wurde. Auf Umwegen fand die Lok zurück in ihre alte Wirkungsstätte und ist heute beim Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur in Delmenhorst (Niedersachsen) zu besichtigen.

Schrittweise wurden eigene Fahrzeuge beschafft – so ein Gepäckwagen der Eisenbahn Bremen – Thedinghausen, ein badischer Güterwagen und Beiwagen von der Regentalbahn – und in Betrieb genommen.

Zum 75-jährigen Bestehen der Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn 1987 gelang es den DHEF, für zwei Monate die seit 1968 in den Niederlanden befindliche ehemalige DHE-Dampflok 4 (NLEA-Nummer 353) anzumieten und mit ihr zwei Monate Dampfbetrieb durchzuführen. Dieses Ereignis befeuerte das bereits in der Satzung verankerte Ziel des Vereins, einen Dampfzugbetrieb aufzubauen.

Mangels besser zur Kleinbahn passender Fahrzeuge wurde ein Zug aus B3yg-Umbauwagen aufgebaut. 1990 konnte eine dreiachsige Krupp-Dampflokomotive vom Typ „Knapsack“ erworben werden, die 1992 in Betrieb ging. 1989 war bereits mit Hilfe der Samtgemeinde Harpstedt eine zweigleisige Fahrzeughalle in Betrieb gegangen, die acht Fahrzeugen Platz bietet und die die Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten gegenüber der Freiluft-Werkstatt der Anfangszeit wesentlich vereinfacht.

1999 wurde als zweite Dampflok die frühere „Anna 4“ (Krupp Typ „Hannibal“) gekauft und nach Instandsetzung in Piła und bei der MaLoWa 2001 in Betrieb genommen. Seitdem fährt diese Lok nahezu ununterbrochen die Züge. Das 1992 verabschiedete Museumskonzept beschreibt als Ziel, einen Kleinbahnbetrieb der späten 50er und frühen 60er Jahre in Niedersachsen darzustellen. Durch die Übernahme von drei der vier noch bei der Teutoburger-Wald-Eisenbahn vorhandenen BCi- und Ci-Wagen im Jahr 1993 und die nachfolgende grundlegende Aufarbeitung (Wagen 3 erhielt in jahrelanger Arbeit sogar einen neuen Aufbau) kam man diesem Ziel näher. Die „Umbauwagen“ werden seither schrittweise aus dem Betrieb gezogen.

Besonderes Augenmerk richtet der Verein auf die noch vorhandenen Originalfahrzeuge der DHE. Seit Beginn wird der Triebwagen 121 eingesetzt. 1995 wurde die Henschel-Diesellokomotive 6 (273) übernommen und dadurch gesichert. 1994 fand man in Hamburg das als Denkmal bzw. Spielgerät genutzte Wrack der ersten DHE-Diesellok 222 (KöII) wieder und sicherte es. Seit einigen Jahren wird die Lok 222 in kleinen Schritten aufgearbeitet und steht nun kurz vor der Inbetriebnahme. Der an der OHE aufgefundene Wagenkasten des letzten DHE-Gepäckwagens 910 harrt noch der Aufarbeitung. An Nebenfahrzeugen werden das Klv 316431, eine Motordraisine und die Handhebeldraisine gepflegt. Abgesehen vom Triebwagen befinden sich diese Fahrzeuge im Eigentum des Vereins.

In den 40 Jahren des Bestehens ist die Zahl der Vereinsmitglieder auf 180 gewachsen, von denen etwa ein Zehntel aktiv im Fahrdienst, in der Werkstatt und in der Verwaltung tätig ist. Im kommenden September wird das Jubiläum gefeiert. Als Gastfahrzeuge sind der Wismarer Schienenbus der Museums-Eisenbahn Minden e.V. und Normalspurfahrzeuge des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen vorgesehen. Ein Foto-Tag für Eisenbahnfreunde (Anmeldung erforderlich) ist am 10. September 2016 geplant. Tags darauf ein Bahnhofsfest mit Mehrzugbetrieb. (www.dhef.de)