Zum ersten Mal in seiner mehr als 20-jährigen Geschichte ist der VDMT zu einer Museumsbahnertagung über die Grenze hinaus ins Nachbarland gegangen: Die  Herbsttagung 2016 fand Ende Oktober bei der niederländischen „Stichting Museum Buurtspoorweg“ (MBS) in Bad Boekelo statt. Damit war der deutsche Verband nicht nur bei einer der ältesten Museumsbahnen in den Niederlanden zu Gast, sondern befand sich zugleich auch mitten in einer grenzüberschreitenden Tourismusregion der Industriekultur. Der Ort war also gut gewählt, um eine gelungene Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg zu demonstrieren.  

Hildebrand de Boer, von Haus aus Denkmalschützer und Präsident der Hollandroute Foundation, informierte die gut fünf Dutzend Teilnehmer der Herbsttagung über „Netzwerke der Industriekultur“ und über die Rolle von Museumsbahnen bei grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Die historischen Bahnen erinnern an die früher zumeist ansehnliche Infrastruktur für einst blühende Industrien. Die MBS liegt inmitten eines der Netzwerke, dem „EuregioNetzwerk Industriekultur“. Hier wird die Staatsgrenze zwischen dem Westmünsterland und den Niederlanden ganz im Sinne Europas überwunden. Es handelt sich um ein einheitliches Gebiet zwischen Arnheim im Westen und Melle im Osten, Coevorden im Norden und Ahlen im Süden mit ähnlicher Sprache.

Als weitere Netzwerke gibt es in Deutschland die „Route der Industriekultur“ unter anderem mit dem Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen und in den Niederlanden die „HollandRoute“ im Raum Amsterdam als Teil der „European Route of Industrial Heritage“ ERIH unter anderem mit der Museumsbahn Hoorn-Medemblik. Es haben  sich hierzu Projektpartner mit unterschiedlichen Interessen zusammengeschlossen, um Touristen und einheimischen Besuchern Einblicke in die historischen Zusammenhänge der Industriegeschichte zu vermitteln: beispielsweise in die Gewinnung von Eisen, Kalkstein, Holzkohle, Emaille oder die Produktion von Textilien und Maschinen. De Boer warb dafür, Netzwerken beizutreten. Sie böten den Vorteil von gemeinsamem Marketing, gegenseitiger Information und Unterstützung. Eine Webseite sei das Herz der Angelegenheit, eine App heute ihr moderner Informationsträger.

Die Stichting Museum Buurtspoorweg kann im kommenden Jahr bereits ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Michel Dispa, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung ließ die Geschichte der Museumsbahn von den Anfängen mit einem Wismarer Schienenbus bis heute mit Dampf- und Dieselloks sowie mit einer Reihe von Personen- und Güterwagen Revue passieren. Der Weg führte mit seinen Worten erfolgreich „vom Schrottplatz zum Museum Haaksbergen“.

Am Samstagmorgen hatten die fast ausnahmslos schon am Vortag angereisten Tagungsteilnehmer die Gelegenheit, die rund sieben Kilometer lange Strecke per Sonderzug und einem Wismarer Schienenbus zu bereisen und sich anschließend durch die beeindruckenden Anlagen der Museumsbahn führen zu lassen.

Wie gewohnt, begann danach am frühen Nachmittag das Vortragsprogramm, unter anderem mit Dr. rer. nat Reinhard W. Serchinger, der sich sowohl mit Brennstoffen und ihren Emissionen (nur im internen Teil unter http://vdmt.de/wp/index.php/aktuelle-verbandsarbeit erhältlich) beim Anheizen und im Streckendienst von stückkohlegefeuerten Dampflokomotiven befasste wie auch mit der technischen Umsetzung der Regelung B 011 zum „Sanden“ bei historischen Triebfahrzeugen. Yogev Cohen stellte die Idee eines Monopoly-Spiels mit dem Thema „Eisenbahn“ vor und Hermann Schmidtendorf die Kesselbauarbeiten bei Interlok in Pila.

Mit Interesse wurde am Sonntagvormittag der Bericht von Bernd Furch und Thomas Fischer über das FEDECRAIL Youth Camp 2016 aufgenommen, das Anfang August beim Deutschen Dampflokomotiv Museum in Neuenmarkt-Wirsberg und der Dampfbahn Fränkische Schweiz durchgeführt worden war. Es haben sich rund zwei Dutzend junge Museumsbahnerinnen und Museumsbahner zum gemeinsamen Arbeiten, Ausflügen und gegenseitigem Austausch getroffen. Zu ihren freiwilligen Helfern gehörten auch die beiden Vortragenden. Das internationale Youth Camp fand zum zweiten Mal in Deutschland statt.

Im Laufe der Versammlung wurden neben weiteren aktuellen Themen auch die Bildung von Arbeitskreisen angesprochen: Rainer Balzer möchte einen AK Marketing aufbauen und Siegfried Fuchs einen AK Indusi. –  Die 72. Museumsbahnertagung wird im Frühjahr in Osnabrück bei den dortigen Dampflokfreunden stattfinden.