Guenther 10.5.2017

Am 21. Juli 2017 verstarb der Vorsitzende des VDMT, Günther Steinhauer (64), nach kurzer schwerer Krankheit. Mit ihm verliert die Museumsbahnszene einen ihrer bedeutendsten Vertreter.

Sein technisches und betriebliches Fachwissen über alle Spurweiten hinweg war ungewöhnlich und in Eisenbahnerkreisen anerkannt. Von den meisten Museumseisenbahnern unterschied ihn jedoch sein anhaltendes Engagement über seine Selfkantbahn hinaus für die Museumsbahnszene in Deutschland. Sein ganzes Museumsbahnerleben lang hat er einen Beitrag für alle geleistet. Stand er der Gründung eines eigenen Museumsbahnverbandes anfangs skeptisch gegenüber, hat er dann auf Grundlage besserer Erkenntnis die Gründung des VDMT unterstützt und anschließend viele Jahre den Arbeitskreis Fahrzeugtechnik im Verband geleitet. Seit 1999 war er stellvertretender Vorsitzender des Verbandes und seit 2012 diente er ihm als Vorsitzender.

Darin charakterisiert sich auch ein Wesenszug seiner Person, die sich kaum vom Enthusiasmus der Eisenbahnfreunde anstecken ließ, sondern stets einen kritisch konstruktiven Blick auf die Sache richtete und aus dem, was er sah, sich stets auch eine bessere Meinung bilden konnte. Dabei war ihm auch die Beachtung kleinster Details stets wichtig. In meiner Zeit als VDMT-Vorsitzender war mir seine Sicht auf die Dinge stets wichtig, um daran zu messen, ob wir mit unseren Vorhaben wohl auf dem richtigen Weg sind.

Grundlage für sein Engagement war seine Liebe zur Museumseisenbahn, die ihm Berufung und bei seiner Selfkantbahn auch Beruf und Lebenswerk war. Seit Anfang der siebziger Jahre, also fast noch ein Museumseisenbahner der ersten Stunde, hat er sich für diese kleine Bahn im äußersten Westen Deutschlands engagiert und schließlich als einer der wenigen professionellen Museumseisenbahner dort auch sein ganzes Berufsleben verbracht. Es ist nicht zum geringen Teil Günther Steinhauer zu verdanken, dass es sich bei der Selfkantbahn heute um einen der modernsten Museumsbahnbetriebe in unserem Land handelt. Wobei modern sich auf das Unternehmen bezieht, durch welches Eisenbahngeschichte und eine hochwertige Sammlung an Fahrzeugen vermittelt wird.

Dass er bei aller Leidenschaft für die historische Eisenbahn nicht in deren Vergangenheit gelebt hat, sondern sich als VDMT-Vorsitzender auch mit der Frage nach der Zukunft der Museumsbahnen in der Gesellschaft beschäftigte, zeigte sich zuletzt am 1. Juni bei einem Runden Tisch anlässlich der Jubiläumsveranstaltung der Museums-Eisenbahn Minden „40 Jahre MEM und wie weiter?“. Er sah die Museumsbahnen nach 50 Jahren vor der Herausforderung, das sich fast ausschließlich auf ehrenamtliche Arbeit stützende Modell dem gesellschaftlichen Wandel anzupassen. Dem Rückgang an freiwilliger Mitarbeit steht ein zunehmend komplexeres rechtliches Umfeld gegenüber, das immer mehr Arbeit für nicht eisenbahnerische Tätigkeiten absorbiert, für die Ehrenamtliche kaum zu motivieren sind. Als Lösung sah er hier eine teilweise Semi- oder Vollprofessionalisierung der Bahnen. Ob er damit richtig lag, wird er nun leider nicht mehr erleben.

Mit Anerkennung und Dankbarkeit verabschieden sich der Vorstand und die Kollegen des VDMT von Günther Steinhauer. Viele verlieren mit ihm auch einen Freund. Sein Andenken lebt in den Museumsbahnen und den vielen, die von ihm persönliche Unterstützung erfahren durften, fort.

 

Heimo Echensperger